Ä B C D E F G H K L M P R S W Z
He Ho
— —

Hopfen

Hopfen – weit mehr als Würze im Bier

Hopfenzapfen
Hopfenzapfen [©Vaide Seskauskiene – istockphoto.com]
Der echte Hopfen (Humulus lupulus) ist in seiner Wildform eine in vielen Gebieten der nördlichen Erdhalbkugel und besonders in Europa verbreitete Liane. Die Kletterpflanze gehört zur Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae) und stammt ursprünglich wohl aus Kleinasien oder auch aus daran angrenzenden asiatischen beziehungsweise europäischen Gebieten. Das Lebenszentrum des Hopfens bildet etwas unterhalb der Erdoberfläche der frostharte Wurzelstock oder das Rhizom. Hier treiben jedes Jahr aufs Neue Stängel aus und suchen ihren Weg an die Oberfläche. Beim wildwachsenden Humulus lupulus können sie oberirdisch eine Höhe von bis zu sechs Metern erreichen. Die kultivierte Form kann sogar über zehn Meter hoch werden.

Vom Austrieb bis zur Ernte

Im März und April beginnt der Austrieb. Bis Juli erreicht die schnell wachsende Staude für gewöhnlich ihre maximale Höhe. Darauf folgt die Blüte und im August bis zum September die Ausbildung von Dolden sowie bis Mitte September die Ernte. Dabei zeigt sich eine in der Pflanzenwelt recht selten vorkommende Besonderheit: Hopfen ist zweihäusig (diözisch).

Zwitter-Blüten, einhäusige und zweihäusige Pflanzen

Während der bei weitem überwiegende Großteil der Gewächse Zwitter-Blüten ausbildet, die einen männlichen sowie einen weiblichen Teil haben, sind die Fortpflanzungsorgane im Falle der Einhäusigkeit (Monozie) zwar gemeinsam auf einer Pflanze aber getrennt nach weiblichen und männlichen Blüten zu finden. Bei zweihäusigen Pflanzen ist es dagegen so, dass die eine Pflanze nur weibliche Blüten und die andere nur männliche ausbildet.

Ausschließlich weiblicher Hopfen wird verwendet

Der männliche Blütenstand ist weniger kompakt und bildet eine Rispe mit lockerer Blütenformation. Beim weiblichen hingegen liegen die voluminösen Blüten (Lupuli flos) eng aneinander. Gemeinsam mit den Tragblättern bilden sie die bis zu fünf Zentimeter langen, zapfenförmigen Dolden (Lupuli strobulus). Hier befinden sich auch die hopfentypischen Drüsen (Lupuli glandula). Ihre Inhaltsstoffe sind es, die den Hopfen für die Nutzung durch den Menschen interessant macht. Für den Anbau von Hopfen werden daher nur weibliche Pflanzen verwendet – auch, weil eine Befruchtung durch benachbarte männliche Pflanzen die Weiterverarbeitung der weiblichen Hopfendolden erschweren bis unmöglich machen würde.

Vom Grutbier zum Hopfenbier

Dabei geht es natürlich in erster Linie um das Bierbrauen, für das über 90 Prozent der weltweiten Hopfenerträge genutzt werden. Bier gehört zu den ältesten Getränken der Menschheitsgeschichte. Neuere Forschungen nehmen an, dass das Mälzen von Getreide schon vor rund 10.000 Jahren oder sogar noch früher unabhängig voneinander an verschiedenen Stellen der Welt entdeckt wurde. Die ältesten Funde stammen aus Mesopotamien und aus China. Bereits in der Antike zogen die Menschen es vor, ihrem Bier eine Würze aus Kräutern- eine sogenannte Grut – beizugeben. Das Hopfen von Bier hat möglicherweise bereits schon hier vereinzelt stattgefunden, kann durch archäologische Funde aber erst ab dem sechsten Jahrhundert belegt werden. Bis zum Hochmittelalter blieben die Grutbiere jedoch dominant. Unter anderem Verbote verschiedener Kräuterzusätze wie Gagel verhalfen dem gehopften Bier, sich durchzusetzen.

Hopfen erhöht die Qualität, den Wohlgeschmack und die Haltbarkeit des Bieres

In diesem Zusammenhang können wesentliche Unterschiede zwischen Kräuter- und Hopfenbieren eine Rolle gespielt haben. Die Kräutermischungen führten zu einem eher süßlichen Bier mit geringem Alkoholgehalt, das arm an Kohlensäure und nur sehr begrenzt haltbar war. Der Hopfen hingegen förderte die Stabilisierung des Schaums und gab dem Bier eine deutlich verlängerte Haltbarkeit. Dazu verlieh er dem Getränk die typischen Bitterstoffe und eine Vielfalt an vorwiegend herben Aromen.


Hopfen in der Naturheilkunde

Spätestens bei der Erwähnung von Bitterstoffen und aromatischen Pflanzenstoffen werden Anhänger der sanften Naturheilkunde hellhörig. Die Vorteile des Hopfens werden nämlich nicht nur beim Bierbrauen genutzt. Schon im Römischen Reich wurde Hopfen allgemein zur Konservierung eingesetzt. Ab dem Mittelalter erkannten die Menschen seine beruhigenden, angstlösenden und schlaffördernden Eigenschaften, die schon früh von Hildegard von Bingen und später unter anderem auch von Albertus Magnus erwähnt wurden. Zur Arzneipflanze des Jahres wurde der Hopfen allerdings erst anno 2007.

Hopfenharz und Hopfenöl

Die größte Bedeutung kommt dabei zwei Inhaltsstoff-Komplexen zugute. Die weiblichen Hopfendolden können zu bis zu 30 Prozent aus den Harzen der Hopfendrüsen bestehen. Wesentlich ist hier der Hopfenbitterstoff alpha-Lupulinsäure oder Humulon. Daneben enthält das Harz nicht bittere beta-Hopfensäuren wie Lupulon. Außerdem sind im Hopfenharz weitere sekundäre Pflanzenstoffe enthalten wie die zu den Flavanolen gehörenden Proanthocyanidine. Maximal knapp zwei Prozent der Doldenbestandteile bilden ätherische Öle. Hier konnten bisher weit über 100 Einzelstoffe identifiziert werden. Während die alpha-Säuren der Harze für die Bittereigenschaften des Hopfens verantwortlich sind, wirken sich die ätherischen Öle auf sein Aroma aus. Abhängig vom Verhältnis dieser zwei Hauptkomponenten wird so auch zwischen Bitter- und Aromahopfen unterschieden.

Hopfen als Zutat für die selbst gemachte Kräuterteemischung

Geschnittene Hopfenzapfen
Geschnittene Hopfenzapfen

Zudem ist getrockneter Hopfen häufig neben Baldrianwurzel, Johannis- und Passionsblumenkraut Bestandteil in Schlaf- und Nerven- sowie in Beruhigungs- und Entspannungstees. Preiswerte Produkte insbesondere im Teebeutel können dabei aus eher weniger hochwertigen Einzelbestandteilen bestehen. Tees in Arzneiqualität hingegen fallen häufig durch einen recht hohen Kaufpreis auf. Natürlich können diese Mischungen aber auch in sehr hoher Qualität bei vergleichsweise geringen Kosten selber hergestellt werden. Dazu brauchen die Hauptzutaten, die in kontrollierter Qualität einzeln erhältlich sind und zu denen auch Melisse und Frauenmantelkraut gehören können, lediglich miteinander vermischt zu werden. Individuelle Noten lassen sich durch Orangenblüten oder auch Lavendel hinzufügen. Die fertige Teemischung wird mit kochendem Wasser aufgegossen und muss etwa zehn Minuten ziehen.

Hopfen: pur als Tee oder auch als Räucherwerk

Alternativ kann auf dieselbe Weise auch ein reiner Hopfentee hergestellt werden. Eine weitere Anwendungsmöglichkeit der Hopfenzapfen besteht darin, sie Räuchermischungen zur Aromatisierung der Raumluft beizugeben. Dabei entsteht ein Duft, der an Baldrian oder auch Kampfer erinnert, aber milder und weniger durchdringend ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.