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Wermutkraut

Wermutkraut mit Blüte
Wermutkraut mit Blüte

Wermutkraut ist eine Arzneipflanze. Die strauchartige, zwischen 40 Zentimetern und einem Meter große Pflanze gehört zur Familie der Korbblütler. Ihre Blätter sind silbrig-grau und filzartig behaart. Von Juli bis September entwickelt das Kraut eine Vielzahl gelber Blüten, aus denen sich später auch Früchte (Achänen) entwickeln. Wermutkraut wächst vor allem auf steinigen Böden, in sonnigen Lagen, vornehmlich in der Nähe von Wasserläufen. Der lateinische Name des Wermutkrauts ist Artemisia absinthium L. Der Volksmund nennt das Kraut häufig auch “bitteren Beifuß” oder Alsem.

Wermut gilt allgemein als Sinnbild für einen bitteren Geschmack, was sich beispielsweise in dem Ausdruck “Wermutstropfen” widerspiegelt. Tatsächlich verfügt Wermutkraut über einen vergleichsweise extrem hohen Anteil an Bitterstoffen. Wermut bildet die Grundlage für das zuweilen als bedenklich eingestufte Getränk “Absinth”.

Anbau und Ernte von Wermutkraut

Wermutkraut wächst in Mittel- und Südeuropa, aber auch in Nordafrika und Asien. In der Natur ist die Pflanze zumeist auf Ödland, an Wegrändern oder an steinigen Uferböschungen zu finden. Wermutkraut wird in einigen Gegenden als Feldkultur angebaut. Die Ernte erfolgt in aller Regel zum Zeitpunkt der Vollblüte, weil dann der Gehalt an Bitterstoffen am größten ist. Wermut gibt es im Fachhandel zumeist als getrocknetes, zerkleinertes Kraut aus konventionellem Anbau oder in BIO-Qualität zu kaufen.

Geschichtliches

Beinahe jeder kennt den Spruch: “Wermut ist für alles gut.” Bereits im alten Ägypten und Griechenland wurde Wermutkraut aufgrund seiner appetitanregenden Wirkung bei Verdauungsbeschwerden und gegen Seekrankheit eingesetzt. Hippokrates pries Wermut als “Wundermittel bei nachlassendem Gedächtnis”. Überlieferungen zufolge pflanzte im 16. Jahrhundert beinahe jeder Haushalt Wermut im Garten an und nutzte ihn als Ungeziefer- und Mottenmittel. Hildegard von Bingen bezeichnete Wermut als einen “bedeutenden Meister gegen alle Erschöpfungen” und der berühmte Pfarrer Kneip empfahl Tee aus Wermutkraut gegen Ansteckungen und Magenprobleme. In der Volksmedizin wurde Wermutkraut lange Zeit bei verschiedenen Magen-Darm-Beschwerden, bei zu schwacher oder unregelmäßiger Regelblutung, gegen Blutarmut und bei Wurmbefall eingesetzt.

Inhaltsstoffe des Wermutkrautes

Die physiologisch wirksamsten Stoffe im Wermutkraut sind die Sesquiterpenbitterstoffe und verschiedene ätherische Öle. Die Bitterstoffe schmecken in der Tat extrem bitter. Zu den wichtigsten wirksamen ätherischen Ölen zählen das Artemisinin und das Thujon. Letzteres kann gegen Krankheitskeime wirksam sein, in großen Mengen aber auch unerwünschte Nebenwirkungen, wie Benommenheit oder Kopfschmerzen auslösen. Deshalb ist beim Verzehr wermutkrauthaltiger Produkte Vorsicht geboten und die Dosierempfehlung einzuhalten.

Liste der Inhaltsstoffe Wermutkraut:

  • Bitterstoffen aus der Gruppe der Sesquiterpenlactone (0,15 – 0,4%)
  • vor allem Absinthin (0,2 – 0,28%)
  • Artabsin
  • Matricin
  • Anabsinthin
  • Ätherische Öle (0,2 – 0,8%)
    • (−)-Thujon
      (+)-Isothujon
      Thujylalkohol
      Chamazulen
      weitere Mono- und Sesquiterpene
  • verschiedene Flavonoide

Anwendung und Wirkungsweise von Wermutkraut

Die bekannteste Zubereitungsart von getrocknetem und entsprechend zerkleinertem Wermutkraut ist Tee. Weil das Kraut einen sehr starken Geschmack hat, empfiehlt es sich, zuerst kleinere Mengen Kraut (maximal einen Teelöffel pro Tasse) mit heißem Wasser zu übergießen und bedeckt 6 bis 8 Minuten ziehen zu lassen. Falls es noch zu bitter ist, lässt sich der Tee mit etwas Wasser problemlos verdünnen. Dann in kleinen Schlucken trinken bei:

  • Appetitlosigkeit zur Anregung der Produktion von Verdauungssäften und damit des Magens
  • Verdauungsstörungen, indem die Fett- und Eiweißverdauung verbessert wird
  • Förderung des Gallenflusses nach gestörter Produktion oder Abfluss der Galle, was nach heftigen Krämpfen (Gallenkolik) der Fall sein kann
Wermutkraut-Tee
Getrocknetes Wermutkraut für den Tee

Kalter Wermut-Tee kann auch als Augenwasser gute Dienste leisten. Dafür darf er gern etwas konzentrierter sein, als der Tee zum Trinken. In den Aufguss getauchte, ausgedrückte Wattepads, die auf die Augenlider gelegt werden, wirken bei Entzündungen und gerötete Augen beruhigend.

Manche Hausfrauen und Köche verwenden Wermutkraut auch sehr gerne als Gewürz. Insbesondere schwer verdauliche Speisen, wie Gans, Schweinebraten oder Wild lassen sich mit Wermut geschmacklich verfeinern und werden zugleich bekömmlicher.

Mögliche Nebenwirkungen von Wermutkraut

Die Anwendung von Wermutkraut in bestimmungsgemäßer Dosis, d. h. pro Tag zwei bis drei Tassen Tee, gilt als unbedenklich. Schwangere Frauen sollten Tee oder andere Getränke, in denen Wermutkraut enthalten ist, allerdings meiden. Obwohl das Risiko sehr gering ist, könnten die Inhaltsstoffe doch einen schädlichen Einfluss auf die Entwicklung des Fötus haben. Schließlich wurde Wermut in der früheren Volksheilkunde zur Geburtseinleitung und zuweilen auch als Abtreibungsmittel verwendet.

Wichtiger Hinweis: Bei besonders heftigen oder lange andauernden Beschwerden empfiehlt es sich immer, vor dem Verzehr von Wermutkraut, einen Arzt zu konsultieren um ernsthafte Probleme, wie Gallensteine oder anderweitig behandlungswürdige Krankheiten des Magen-Darm-Traktes auszuschließen.

Weitere Informationen:
Wikipedia
Heilkräuter-Lexikon

Wermutkraut kaufen bei krautrausch


Bild1: ©Digifuture – depositphotos.com


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